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Der Magen-Feind

"Kein Geschwür ohne Säure!" So lautete das Dogma des Magen-Darm-Geschwürs bis vor wenigen Jahren. Dann wagte es ein australischer Arzt zu behaupten, dass das Geschwür eine Infektionskrankheit sei. Er erntete Spott und beißende Kritik. In einem heroischen Selbstversuch konnte er jedoch nach dem Trinken einer Bouillon mit bestimmten Bakterien, die er aus dem Mageninhalt von Geschwürspatienten kultivierte bei sich selbst ein Magengeschwür erzeugen. Dass der Helicobacter pylori - so heißt jenes Bakterium, welches sich im Gegensatz zu den meisten anderen Bakterien in der Salzsäure des Magens pudelwohl fühlt - auch nicht allein der Weisheit letzter Schluss ist, zeigt dieser Artikel.

Definition

Bei jedem Geschwür kommt es zu einem Defekt der Schleimhaut. Geht das Geschwür tiefer, so werden auch unter der Schleimhaut liegende Gewebsschichten betroffen. Reicht das Geschwür bis zu den Blutgefäßen, so kann es zu - mitunter lebensgefährlichen - Blutungen kommen. Im Extremfall kommt es zu einem Durchbruch der gesamten Wand des Magen-Darm-Traktes. Dann kann sich Magen- oder Darminhalt in die Bauchhöhle ergießen, was wiederum eine - mitunter auch lebensgefährliche - Bauchhöhlenentzündung (Peritionitis) zur Folge hat.

Symptome

Bei den Symptomen müssen wir zwischen denen des Magengeschwüres (ulcus ventriculi) und denen des Dünndarm- oder Zwölffingerdarmgeschwüres (Ulcus duodeni) unterscheiden (siehe Tabelle). Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Zeitpunkt des Auftretens: Schmerzen vor dem Essen deuten eher auf ein Dünndarm-, nach dem Essen eher auf ein Magengeschwür hin. Es ist aber noch kritisch anzumerken, dass die aufgeführten Symptome zwar hinweisend, aber nicht beweisend für ein Geschwür sind. So können sich auch ganz andere Erkrankungen dahinter verbergen, z.B. Magenschleimhautentzündungen (quasi die Vorstufe des Geschwüres), Speiseröhrenentzündungen, Erkrankungen anderer Oberbauchorgane wie Galle oder Bauchspeicheldrüse, ja sogar eine Verengung der Herzkranzgefäße bis hin zum Herzinfarkt kann sich einmal wie ein Magengeschwür äußern. Die Symptome sollten also in jedem Fall durch eine angemessene Diagnostik auf die zugrunde liegende Erkrankung abgeklopft werden.

Magengeschwür

Schmerzen unterhalb des Brustbeines
Nicht selten schmerzlos
Appetitlosigkeit 
Sofortschmerz nach dem Essen
Jahreszeitlich unabhängig
Zwölffingerdarmgeschwür

Schmerzen unterhalb des Brustbeines oder
im rechten Oberbauch
Nicht selten schmerzlos
Nüchternschmerz, Essen bessert häufig
Häufung in Frühjahr und Herbst

Im Zweifel:

In den Magen schauen Bei Verdacht auf ein Magen- oder Darmgeschwür sollte unbedingt eine Gastroskopie (Magenspiegelung) durchgeführt werden - schon um einen Magenkrebs auszuschließen, der auch einmal die Ursache für die Beschwerden sein kann. Bei der Spiegelung werden meist Biopsien (Gewebeproben) entnommen, die dann auf das Vorhandensein bösartiger Zellen, vor allem aber auf das Bakterium Helicobacter pylori untersucht werden. Liegt tatsächlich dieser Keim vor, so wird schulmedizinisch eine Elimination dieses Keimes durch eine Kombination aus Antibiotika und Säureblocker angestrebt. Eine solche Therapie ist in über 90 % der Fälle erfolgreich und führt dann auch zu einem Abheilen des Geschwüres.

Die Diagnostik kann auch dem Ausschluss einer Helicobacter-Besiedelung und eines Geschwüres dienen. Dann handelt es sich nämlich um einen so genannten Reizmagen, welcher gänzlich anders zu behandeln wäre. Ein Reizmagen - also ohne Nachweis einer Schleimhautschädigung - bessert sich nämlich auch nicht nach einer Ausrottung der Bakterien, selbst wenn diese nachgewiesen worden sind.

Naturheilkundliche Therapie

Während früher das "Säure-Dogma" die Therapie des Magengeschwüres beherrschte, ist es nun die "Helicobacter-Hysterie". Zweifelsohne hat die Behandlung des Helicobacter vielen Patienten geholfen und sie von teilweise jahrelangen Beschwerden befreit. Dass aber der Helicobacter nicht alles sein kann, beweisen folgende Überlegungen:

  • Etwa 50 % aller Deutschen sind helicobacter-positiv (in Entwicklungsländern sind es sogar 90 % aller Menschen). Nicht jeder von diesen weist aber Magenbeschwerden, geschweige denn ein Geschwür auf. Helicobacter führt also nicht zwingend zu einer Erkrankung. Es muss also auch Schutzfaktoren für den Menschen geben (oder zusätzliche Risikofaktoren, die den Helicobacter in Kombination erst "scharf" werden lassen).
  • Es gibt immerhin auch eine ganze Reihe von Geschwüren, bei denen sich keinerlei Beteiligung des "bösen" Helicobacter nachweisen lässt. Auch dies lässt den Schluss zu: Es muss noch andere Ursachen jenseits der Bakterien geben.

Und damit kommen wir zu den Genussmitteln: An erster Stelle stehen hier die Zigaretten. Raucht ein Patient nach einer erfolgreichen Behandlung eines Magengeschwüres weiter, hat er eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit innerhalb des nächsten Jahres ein neues Geschwür zu bilden. Jeder Raucher mit Magengeschwür sollte also dringend seine Sucht beenden. Kaffee und Alkohol sollten höchsten in geringen Mengen konsumiert werden.

Medikamente nicht vergessen!

Welche Medikamente nehmen Sie ein? Sind darunter solche, die die Magenschleimhaut schädigen können? An erster Stelle sind hier die NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika, z.B. Diclofenac, Ibuprofen) zu nennen, insbesondere wenn sie zusammen mit einem Kortisonpräparat eingenommen werden. Schauen Sie bitte in den Beipackzettel Ihrer Medikamente. Sind dort magen-darm-schleimhautreizende Wirkungen beschrieben, so sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt besprechen, ob das Medikament durch ein nebenwirkungsärmeres ersetzt werden kann oder ein Magenschutzpräparat zusätzlich gegeben werden sollte.

Denken Sie an die Seele!

Der Volksmund sagt, dass einem etwas auf den Magen schlägt, einem die Säure hochkommt oder er einfach nur sauer ist. Hier spiegelt sich das alte erfahrungsheilkundliche Wissen wider, dass die Psyche und den Magen sehr wohl etwas miteinander verbindet.

Patienten mit Geschwüren entstammen oft aus Familien mit engen, starren Beziehungen. In der Familie wurden sie oft zu "braven Kindern" erzogen, die ihre eigenen Aggressionen unterdrücken. Patienten mit Magen-Darm-Geschwür sind oft sehr ehrgeizig und erfolgsorientiert und streben nach Anerkennung. Ein Geschwür entwickelt sich besonders dann, wenn die Betroffenen sozial isoliert sind, d.h. nach einer Trennung oder bei Problemen im Beruf.

Nicht bei jedem Patienten sind diese Faktoren bedeutsam. Wenn Sie aber betroffen sind und sich in den obigen Beschreibungen wieder finden, dann sollten Sie gegebenenfalls Ihre Einstellungen und Verhaltensweisen überdenken. Unter Umständen sollte sogar eine verhaltenstherapeutisch orientierte Psychotherapie erwogen werden.

Ernährung:

Säure und Brokkoli Auch wenn die "Säure-Theorie" heute als überholt gilt: Sie werden von einer basenüberschüssigen Kost immer noch profitieren. Bevorzugen Sie also basenreiche bzw. basenbildende Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Kartoffeln. Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol und stark zuckerhaltige bzw. eiweißhaltige Nahrung sollten Sie eher meiden, da sie die Säurebildung im Magen anregen. Als besonders günstig hat sich der Brokkoli erwiesen, der nicht nur basisch wirkt, sondern auch noch Stoffe beinhaltet, die das Wachstum von Helicobacter beeinträchtigen.

Die gute alte Kamille

Kamille hat eine entzündungswidrige und schleimhautregenerierende Wirkung. Es dauert zwar länger als mit den modernen Säureblockern (Protonenpumpenhemmern), Sie können mit viel Geduld und Konsequenz aber immer noch ein Geschwür mit pflanzlichen Maßnahmen zum Abheilen bringen. Die Beschwerden sollten allerdings nicht zu stark sein, es sollten keine Komplikationen vorliegen (z.B. Blutungen) und nach spätestens vier Wochen sollte eine deutliche Besserung eingetreten sein. Sie können Kamille als Tee verwenden (stark, 2-3 TL Kamille pro Tasse, mehrmals täglich). Fertigpräparate sind Chamo® S Bürger Lösung, Eukamillat® Lösung oder Kamille Spitzner N Lösung.

Auch die Süßholzwurzel hat sich bewährt (1 TL pro Tasse, einige Minuten kochen lassen). Fertigpräparate sind hier Ulgastrin® Neu oder Suczulen® Kps. Bei Neigung zu Bluthochdruck oder bei Kaliummangel ist allerdings Vorsicht geboten.

Kamillenrollkur

Bereiten Sie einen starken Kamillentee oder eine Kamillenlösung nach Anweisung zu. Trinken Sie eine Tasse. Dann legen Sie sich 5-10 Minuten auf den Rücken, anschließend auf die linke, dann auf die rechte Seite und zum Schluss auf den Bauch. So ist gewährleistet, dass die gesamte Schleimhaut guten und ausgiebigen Kontakt mit der heilenden Kamille erhält. Die ganze Prozedur nimmt 30-45 Minuten in Anspruch. Führen Sie diese zweimal täglich für vier Wochen durch. Die Kamillenrollkur wird verstärkt, wenn Sie in der Ruhezeit meditieren, positive Dinge visualisieren oder Entspannungsmusik hören.

Ähnliches durch Ähnliches heilen

Homöopathisch kommen zahlreiche Mittel in Frage. Wählen Sie hier dasjenige Mitteil aus, welches von den Symptomen her am besten passt. Die Beschwerden sollten sich hierunter rasch bessern. Wenn nicht, war das Mittel falsch gewählt. Bei nur geringer Besserung sollten Sie auch nicht zu lange warten, bis weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen veranlasst werden sollten.

  • Acidum nitricum D4, D6 3 x täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: saurer, bitterer Geschmack, Übelkeit, Magendruck besser durch Essen, stechender Leibschmerz mit Blähungen, Splitterschmerz, Kälte, Nässe oder Wetterwechsel verschlechtern
  • Anacardium D3, D4 oder D6 3 x täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: Beschwerden verschwinden während des Essens, etwa zwei Stunden danach Auftreten von Übelkeit, Aufstoßen und krampfartige Schmerzen
  • Argentum nitricum D4 oder D6 3 x täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: drückender brennender Magenschmerz, Splitterschmerz, Blähungen mit Aufstoßen, Gähnzwang, Verlangen nach Süßem, welches nicht vertragen wird, Aufregung verschlechtert, Essen bessert
  • Belladonna D4 oder D6 3 x täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: krampfartiger Schmerz mit berührungsempfindlicher Magengegend, Beschwerden kommen und gehen plötzlich, Rückwärtsbeugen bessert
  • Ignatia D3, D4 oder D6 3 x täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: Magen fühlt sich schwach und leer an, Schmerzen und Brechreiz stärker durch Essen, Schwerverdauliches wird schlechter vertragen als leichte Kost, Seufzen, Gähnzwang
  • Mandragora e radice D12 einmal täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: weiß-belegte Zunge, krampfartiger Nüchternschmerz, muss alle zwei Stunden ein wenig essen, Völlegefühl nach jedem Bissen, Magen sehr druck- und berührungsempfindlich, Fett, Kaffee, Süßes verschlechtern, Rückwärtsbeugen, Essen bessert
  • Nux vomica D12 einmal täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: belegte Zunge, eine Stunde nach dem Essen Völlegefühl, Magendruck wie ein Stein, Verlangen nach Genussmitteln (Tabak, Alkohol, Kaffe), die aber nicht vertragne werden, reizbar, streitsüchtig, frische Luft verschlechtert, warmes Zimmer bessert, langer Schlaf verschlechtert, kurzer Schlaf bessert
  • Phosphorus D4 oder D6 3 x täglich eine Tablette oder 5 Tropfen: Magen druckempfindlich und wie wund, brennend, Verlangen nach kalten Getränken, die aber verschlechtern, Hungerschmerz, etwas Essen bessert, nervös, nachts schlechter, Kälte verschlechtert, Ruhe bessert

Wenn die Wahl aufgrund einer nicht eindeutigen Symptomatik schwer fällt, kommen auch Kombinationspräparate in Frage.

  • Duodenoheel 3x1 Tabl. bei Zwölffingerdarmgeschwür
  • Gastricumeel 3x1 Tabl. bei Magengeschwür
  • Spascupreel Zäpfchen oder Tabl. bei Bedarf (Krämpfe)
  • Jsostoma S Tabl. 3x1 Tabl. bei akuter oder chron. Magenschleimhautentzündung oder funktionellen Magen-Darm-Beschwerden
  • Cankerol 20 Tr. 2x täglich in 40 Tr. Wasser

Die richtigen Nährstoffe beschleunigen die Abheilung.
Die hochdosierte Zufuhr bestimmter Nährstoffe unterstützt den Heilungsprozess und sollte bei jedem Geschwür zusätzlich zu schulmedizinischer und oder naturheilkundlicher Therapie angewandt werden.

  • Vitamin C 1-2 g täglich: Wird die Säure (Ascorbinsäure) nicht vertragen, so sollten Sie ein retardiertes oder gepuffertes Vitamin C-Präparat verwenden (z.B. Cetebe® Kapseln).
  • Zink 20-30 mg: Zink ist unser bestes Spurenelement bei gestörter Wundheilung. Nehmen Sie es bitte nüchtern eine halbe Stunde vor der Mahlzeit (z.B. Cefazink@ Tabl. 2-3 x täglich oder zinkotase@ einmal täglich).
  • Pantothensäure: Dieses Vitamin hilft ebenfalls, Wunden besser zum Abheilen zu bringen, z.B. Bepanthen® Lutschtabletten dreimal täglich.

Literatur
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Magen-Darm-Geschwür und Zwöffingerdarm-Geschwür

Individuelle Fragen können gern während eines stationären Aufenthaltes in unserer Inneren Abteilung oder in der naturheilkundlichen Privatambulanz geklärt werden. Weitere Informationen zu Leistungsspektrum, Kosten, Anfahrt etc. entnehmen Sie bitte
http://habichtswaldklinik-ayurveda.de/Die_Abteilung_Innere_Medizin.html
http://habichtswaldklinik-ayurveda.de/Innere_Ambulanz.html
http://habichtswaldklinik-ayurveda.de/index.html

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
www.naturarzt-access.de

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Dr. Volker Schmiedel

Habichtswald Klinik

Wigandstr. 1, 34131 Kassel

Telefon  0561 3108-101

E-Mail schmiedel@habichtswaldklinik.de

 

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