
Definition
Bei jedem Geschwür kommt es zu einem Defekt der Schleimhaut. Geht
das Geschwür tiefer, so werden auch unter der Schleimhaut liegende
Gewebsschichten betroffen. Reicht das Geschwür bis zu den
Blutgefäßen, so kann es zu - mitunter lebensgefährlichen -
Blutungen kommen. Im Extremfall kommt es zu einem Durchbruch der
gesamten Wand des Magen-Darm-Traktes. Dann kann sich Magen- oder
Darminhalt in die Bauchhöhle ergießen, was wiederum eine - mitunter
auch lebensgefährliche - Bauchhöhlenentzündung (Peritionitis) zur
Folge hat.
Symptome
Bei den Symptomen müssen wir zwischen denen des Magengeschwüres
(ulcus ventriculi) und denen des Dünndarm- oder
Zwölffingerdarmgeschwüres (Ulcus duodeni) unterscheiden (siehe
Tabelle). Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Zeitpunkt
des Auftretens: Schmerzen vor dem Essen deuten eher auf ein
Dünndarm-, nach dem Essen eher auf ein Magengeschwür hin. Es ist
aber noch kritisch anzumerken, dass die aufgeführten Symptome zwar
hinweisend, aber nicht beweisend für ein Geschwür sind. So können
sich auch ganz andere Erkrankungen dahinter verbergen, z.B.
Magenschleimhautentzündungen (quasi die Vorstufe des Geschwüres),
Speiseröhrenentzündungen, Erkrankungen anderer Oberbauchorgane wie
Galle oder Bauchspeicheldrüse, ja sogar eine Verengung der
Herzkranzgefäße bis hin zum Herzinfarkt kann sich einmal wie ein
Magengeschwür äußern. Die Symptome sollten also in jedem Fall durch
eine angemessene Diagnostik auf die zugrunde liegende Erkrankung
abgeklopft werden.
| Magengeschwür Schmerzen unterhalb des Brustbeines Nicht selten schmerzlos Appetitlosigkeit Sofortschmerz nach dem Essen Jahreszeitlich unabhängig |
Zwölffingerdarmgeschwür Schmerzen unterhalb des Brustbeines oder im rechten Oberbauch Nicht selten schmerzlos Nüchternschmerz, Essen bessert häufig Häufung in Frühjahr und Herbst |
Im Zweifel:
In den Magen schauen Bei Verdacht auf ein Magen- oder Darmgeschwür
sollte unbedingt eine Gastroskopie (Magenspiegelung) durchgeführt
werden - schon um einen Magenkrebs auszuschließen, der auch einmal
die Ursache für die Beschwerden sein kann. Bei der Spiegelung
werden meist Biopsien (Gewebeproben) entnommen, die dann auf das
Vorhandensein bösartiger Zellen, vor allem aber auf das Bakterium
Helicobacter pylori untersucht werden. Liegt tatsächlich dieser
Keim vor, so wird schulmedizinisch eine Elimination dieses Keimes
durch eine Kombination aus Antibiotika und Säureblocker angestrebt.
Eine solche Therapie ist in über 90 % der Fälle erfolgreich und
führt dann auch zu einem Abheilen des Geschwüres.
Die Diagnostik kann auch dem Ausschluss einer
Helicobacter-Besiedelung und eines Geschwüres dienen. Dann handelt
es sich nämlich um einen so genannten Reizmagen, welcher gänzlich
anders zu behandeln wäre. Ein Reizmagen - also ohne Nachweis einer
Schleimhautschädigung - bessert sich nämlich auch nicht nach einer
Ausrottung der Bakterien, selbst wenn diese nachgewiesen worden
sind.
Naturheilkundliche Therapie
Während früher das "Säure-Dogma" die Therapie des Magengeschwüres
beherrschte, ist es nun die "Helicobacter-Hysterie". Zweifelsohne
hat die Behandlung des Helicobacter vielen Patienten geholfen und
sie von teilweise jahrelangen Beschwerden befreit. Dass aber der
Helicobacter nicht alles sein kann, beweisen folgende
Überlegungen:
Und damit kommen wir zu den Genussmitteln: An erster Stelle stehen hier die Zigaretten. Raucht ein Patient nach einer erfolgreichen Behandlung eines Magengeschwüres weiter, hat er eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit innerhalb des nächsten Jahres ein neues Geschwür zu bilden. Jeder Raucher mit Magengeschwür sollte also dringend seine Sucht beenden. Kaffee und Alkohol sollten höchsten in geringen Mengen konsumiert werden.
Medikamente nicht vergessen!
Welche Medikamente nehmen Sie ein? Sind darunter solche, die die
Magenschleimhaut schädigen können? An erster Stelle sind hier die
NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika, z.B. Diclofenac, Ibuprofen)
zu nennen, insbesondere wenn sie zusammen mit einem
Kortisonpräparat eingenommen werden. Schauen Sie bitte in den
Beipackzettel Ihrer Medikamente. Sind dort
magen-darm-schleimhautreizende Wirkungen beschrieben, so sollten
Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt besprechen, ob das Medikament durch
ein nebenwirkungsärmeres ersetzt werden kann oder ein
Magenschutzpräparat zusätzlich gegeben werden sollte.
Denken Sie an die Seele!
Der Volksmund sagt, dass einem etwas auf den Magen
schlägt, einem die Säure hochkommt oder er einfach nur sauer ist.
Hier spiegelt sich das alte erfahrungsheilkundliche Wissen wider,
dass die Psyche und den Magen sehr wohl etwas miteinander
verbindet.
Patienten mit Geschwüren entstammen oft aus Familien mit engen,
starren Beziehungen. In der Familie wurden sie oft zu "braven
Kindern" erzogen, die ihre eigenen Aggressionen unterdrücken.
Patienten mit Magen-Darm-Geschwür sind oft sehr ehrgeizig und
erfolgsorientiert und streben nach Anerkennung. Ein Geschwür
entwickelt sich besonders dann, wenn die Betroffenen sozial
isoliert sind, d.h. nach einer Trennung oder bei Problemen im
Beruf.
Nicht bei jedem Patienten sind diese Faktoren bedeutsam. Wenn Sie
aber betroffen sind und sich in den obigen Beschreibungen wieder
finden, dann sollten Sie gegebenenfalls Ihre Einstellungen und
Verhaltensweisen überdenken. Unter Umständen sollte sogar eine
verhaltenstherapeutisch orientierte Psychotherapie erwogen
werden.
Ernährung:
Säure und Brokkoli Auch wenn die "Säure-Theorie" heute als überholt
gilt: Sie werden von einer basenüberschüssigen Kost immer noch
profitieren. Bevorzugen Sie also basenreiche bzw. basenbildende
Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Kartoffeln. Kaffee, schwarzer
Tee, Alkohol und stark zuckerhaltige bzw. eiweißhaltige Nahrung
sollten Sie eher meiden, da sie die Säurebildung im Magen anregen.
Als besonders günstig hat sich der Brokkoli erwiesen, der nicht nur
basisch wirkt, sondern auch noch Stoffe beinhaltet, die das
Wachstum von Helicobacter beeinträchtigen.
Die gute alte Kamille
Kamille hat eine entzündungswidrige und schleimhautregenerierende
Wirkung. Es dauert zwar länger als mit den modernen Säureblockern
(Protonenpumpenhemmern), Sie können mit viel Geduld und Konsequenz
aber immer noch ein Geschwür mit pflanzlichen Maßnahmen zum
Abheilen bringen. Die Beschwerden sollten allerdings nicht zu stark
sein, es sollten keine Komplikationen vorliegen (z.B. Blutungen)
und nach spätestens vier Wochen sollte eine deutliche Besserung
eingetreten sein. Sie können Kamille als Tee verwenden (stark, 2-3
TL Kamille pro Tasse, mehrmals täglich). Fertigpräparate sind
Chamo® S Bürger Lösung, Eukamillat® Lösung oder Kamille Spitzner N
Lösung.
Auch die Süßholzwurzel hat sich bewährt (1 TL pro Tasse, einige
Minuten kochen lassen). Fertigpräparate sind hier Ulgastrin® Neu
oder Suczulen® Kps. Bei Neigung zu Bluthochdruck oder bei
Kaliummangel ist allerdings Vorsicht geboten.
| Kamillenrollkur Bereiten Sie einen starken Kamillentee oder eine Kamillenlösung nach Anweisung zu. Trinken Sie eine Tasse. Dann legen Sie sich 5-10 Minuten auf den Rücken, anschließend auf die linke, dann auf die rechte Seite und zum Schluss auf den Bauch. So ist gewährleistet, dass die gesamte Schleimhaut guten und ausgiebigen Kontakt mit der heilenden Kamille erhält. Die ganze Prozedur nimmt 30-45 Minuten in Anspruch. Führen Sie diese zweimal täglich für vier Wochen durch. Die Kamillenrollkur wird verstärkt, wenn Sie in der Ruhezeit meditieren, positive Dinge visualisieren oder Entspannungsmusik hören. |
Ähnliches durch Ähnliches heilen
Homöopathisch kommen zahlreiche Mittel in Frage. Wählen Sie hier
dasjenige Mitteil aus, welches von den Symptomen her am besten
passt. Die Beschwerden sollten sich hierunter rasch bessern. Wenn
nicht, war das Mittel falsch gewählt. Bei nur geringer Besserung
sollten Sie auch nicht zu lange warten, bis weitere diagnostische
und therapeutische Maßnahmen veranlasst werden sollten.
Wenn die Wahl aufgrund einer nicht eindeutigen Symptomatik schwer fällt, kommen auch Kombinationspräparate in Frage.
Die richtigen Nährstoffe beschleunigen die Abheilung.
Die hochdosierte Zufuhr bestimmter Nährstoffe unterstützt den
Heilungsprozess und sollte bei jedem Geschwür zusätzlich zu
schulmedizinischer und oder naturheilkundlicher Therapie angewandt
werden.
Literatur
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap.
Magen-Darm-Geschwür und Zwöffingerdarm-Geschwür
Individuelle Fragen können gern während eines stationären
Aufenthaltes in unserer Inneren Abteilung oder in der
naturheilkundlichen Privatambulanz geklärt werden. Weitere
Informationen zu Leistungsspektrum, Kosten, Anfahrt etc. entnehmen
Sie bitte
http://habichtswaldklinik-ayurveda.de/Die_Abteilung_Innere_Medizin.html
http://habichtswaldklinik-ayurveda.de/Innere_Ambulanz.html
http://habichtswaldklinik-ayurveda.de/index.html
Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir
danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum
Abdruck.
www.naturarzt-access.de
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Aktualisiert am 06.01.2010